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Wenn wir standesamtlich heiraten, wenn wir ein Restaurant oder ein Fitness-Studio besuchen, wenn wir auf der rechten Straßenseite fahren oder eine Pauschalreise machen, dann tun wir das aufgrund von Ideen oder Entwicklungen, die im 19. Jahrhundert aufkamen. Unsere politischen Institutionen, unser gesellschaftliches Bewusstsein und unser Weltbild sind auch im Zeitalter von Quantenphysik und Internet von den Ereignissen dieses vergangenen Jahrhunderts geprägt. Aus seiner Geschichte erfahren wir Wesentliches über unsere Gegenwart.
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Ich befasste mich zum ersten Mal mit dem 19. Jahrhundert, als uns in der 6. Klasse die Hausaufgabe gestellt wurde, einen Roman zu präsentieren.
Ich war damals eine ziemliche Nicht-Leserin, ein eigenes Lieblingsbuch hatte ich nicht, also folgte ich dem Vorschlag einer Mitschülerin und las “Onkel Toms Hütte” von Harriet Beecher Stowe.
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Bei der Begegnung mit dem 19. Jahrhundert war mir, als würde ich eine alte Freundin wieder treffen. Sie hatte mir viel zu erzählen über Unterdrückung und der Sehnsucht nach Freiheit, über die Verletzungen, die Menschen einander zufügen auf den Schlachtfeldern und in den Gesetzbüchern und über den Mut und die Liebe, mit denen sie einander beistehen - und irgendwann fing ich an, es aufzuschreiben.
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“History was not, but is.” William Faulkner
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Durch das in der Aufklärung erwachende Geschichtsbewusstsein findet sich eine Vielzahl an Quellen und Zeugnissen über diese Zeit. In dieser Epoche wuchs aber auch das Bewusstsein, dass man mit selektiven und tendenziösen Schilderungen das Bild von Ereignissen formen kann - bis hin zur Verzerrung - ein Prozess, der sich in der Rezeption fortsetzt. Hinter jeder Geschichtsdarstellung steht eine Absicht; das Spannende an der Arbeit mit Geschichte ist, diesen Absichten nachzuspüren und sie mit einer Revision der Quellen offen zu legen. Über wen und über was wird geschrieben und worüber nicht? Vor allem die Dinge, die in den “toten Winkel” der Geschichtsschreibung geraten, geben der Beschäftigung mit der Vergangenheit ihre Brisanz. Meine Arbeit habe ich daher unter die Leitfrage gestellt: Welche Geschichte(n) erzählt sich eine Gesellschaft?
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