Meine Themen

“Wir alle sind Kinder des 19. Jahrhunderts.”

In der Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts gibt es vieles, was uns vertraut erscheint und ebenso viel Absonderliches. So gab es etwa in Paris um 1800 bereits “Fitness-Studios” (und Karikaturen, die sich über die Gerätschaften und ihre Nutzer lustig machten). Im Code Civil gab es eine Verordnung zur Errichtung von Fertigungsstätten für Gefahrgüter (sie setzte die Zustimmung der Anwohner voraus). Man konnte Pauschalreisen buchen, fuhr noch mit der Kutsche, aber - zumindest auf dem Kontinent - eben auf der rechen Straßenseite.

Unsere heutigen politischen Institutionen und unser gesellschaftliches Bewusstsein sind auch im Zeitalter von Quantenphysik und Internet von den Entwicklungen dieses vergangenen Jahrhunderts geprägt. Dem spüre ich in meinen Geschichten nach.

Ich befasste mich zum ersten Mal mit dem 19. Jahrhundert, als uns in der 6. Klasse die Hausaufgabe gestellt wurde, einen Roman zu präsentieren.

Ich war damals eine ziemliche Nicht-Leserin, ein eigenes Lieblingsbuch hatte ich nicht, also folgte ich dem Vorschlag einer Mitschülerin und las “Onkel Toms Hütte” von Harriet Beecher Stowe.

Damit öffnete sich für mich eine Tür in eine Vergangenheit, die mir viel zu erzählen hatte über Unterdrückungen und der Sehnsucht nach Freiheit, über die Verletzungen, die Menschen einander zufügen auf den Schlachtfeldern und in den Gesetzbüchern und über den Mut und die Liebe, mit denen sie einander beistehen - und irgendwann fing ich an, es aufzuschreiben.

“History was not, but is.”                                          William Faulkner

Durch das in der Aufklärung erwachende Geschichtsbewusstsein findet sich eine Vielzahl an Quellen und Zeugnissen über diese Zeit. In dieser Epoche wuchs aber auch das Bewusstsein, dass man mit selektiven und tendenziösen Schilderungen das Bild von Ereignissen formen kann - bis hin zur Verzerrung - ein Prozess, der sich in der Rezeption fortsetzt. Hinter jeder Geschichtsdarstellung steht eine Absicht; das Spannende an der Arbeit mit Geschichte ist, diesen Absichten nachzuspüren und sie mit einer Revision der Quellen offen zu legen. Über wen und über was wird geschrieben und worüber nicht? Vor allem die Dinge, die in den “toten Winkel” der Geschichtsschreibung geraten, geben der Beschäftigung mit der Vergangenheit ihre Brisanz. Meine Arbeit habe ich daher unter die Leitfrage gestellt: Welche Geschichte(n) erzählt sich eine Gesellschaft?

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