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“der Staatsrat Fuchsius hatte [...] das Manuskript einer solchen Rede erhalten, worin Napoleon un des plus grands héros genannt wurde. Fuchsius war nicht sehr bewandert in der französischen Sprache und wusste nicht oder hatte vergessen, dass héros zu den wenigen Wörtern gehört, in denen das “h” wie im Deutschen gesprochen wird. Er sprach daher jene Worte so aus, dass sie klangen wie un des plus grandséros, wodurch er also ohne sein Wissen Napoleon die größte Sottise sagte, nämlich, dass er eine der größten Nullen (zéros) sei.” 5 |
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Die unmittelbare Reaktion Napoleons auf diese Äußerung ist nicht überliefert, er gewann jedenfalls dennoch einen guten Eindruck von Düsseldorf, damals Hauptstadt des Herzogtums Berg. Er schenkte der Stadt den Hofgarten und kündigte eine jährliche Summe für Verschönerungsmaßnahmen an. Außerdem stellte er der Stadt die Gründung einer Universität in Aussicht und einen Bischofssitz. Beides Dinge, um die Köln sich zu diesem Zeitpunkt vergeblich bemüht hatte 6. Überhaupt verlief der Besuch in Köln ganz anders als geplant. |
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“Geht nach Düsseldorf und lernt dort, wie man einen Kaiser empfängt!” 7 |
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Er trug aber auch selbst Schuld daran, dass sein Besuch in Köln Improvisation erforderte. Seine Ankunft sollte am nördlichen Kölner Stadttor erfolgen, dem Eigeltor oder Porte de l´Aigle, aber Sulpiz Boisserée notierte in sein Tagebuch: “Dien. 5.11 kam Napoleon um 1 Uhr über Deutz, die Kaiserin ¼ Stunde später über Mülheim.” 9 Köln hatte damals noch keine feststehende Brücke. Der Übergang von Deutz/ Mühlheim erfolgte über die “fliegende Brücke” 10. Napoleon betrat die Stadt also gewissermaßen durch den “Hintereingang”, Triumphbögen, Festreden, symbolische Schlüsselübergabe – alles musste improvisiert werden. Anschließend nahm das hohe Paar Quartier im Haus Zuydwyck, einem der wenigen großen Palais in Köln. 11 |
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Die meisten Schilderungen der Zeitgenossen entstanden im Nachhinein unter veränderten politischen Vorzeichen. Nicht selten wollten die Schreiber sich und ihre rheinische Heimat den neuen preußischen Machthabern empfehlen und betonen das Erzwungene der Begeisterung für Napoleon oder lasten es dem Pöbel an, dass er sich vom Schauwert habe verführen lassen. Andererseits sind die Erinnerungen an den Besuch von 1811 aber auch Protest gegen die Machtverhältnisse nach 1815 – das bekannteste Beispiel dafür ist Heinrich Heines Schilderung des Einzugs Napoleons in Düsseldorf: |
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Aber wie ward mir erst, als ich ihn selber sah, mit hochbegnadigten, eigenen Augen, ihn selber, Hosiana! den Kaiser. [...] Der Kaiser trug seine scheinlose grüne Uniform und das kleine, welthistorische Hütchen. Er ritt ein weißes Rößlein, und das ging so ruhig und stolz, so sicher, so ausgezeichnet – wär ich damals Kronprinz von Preußen gewesen, ich hätte dieses Rößlein beneidet. [Das Auge des Kaisers] war ein Auge klar wie der Himmel, so konnte es lesen im Herzen der Menschen, es sah rasch auf einmal alle Dinge dieser Welt, während wir anderen sie nur nacheinander und nur ihre gefärbten Schatten sehen. [...], und das Volk rief tausendstimmig: es lebe der Kaiser!” 14 |
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In den wenigen unmittelbaren Quellen (Tagebüchern) ist selten etwas von einer ideologisch aufgeheizten Bewertung zwischen “treudeutsch” und “bonapartistisch” zu finden. Hier stehen pragmatische Aspekte im Vordergrund: Der reibungslose Ablauf und die Möglichkeit, Anliegen an höchster Stelle zu Gehör zu bringen. Für Napoleon waren solche Reisen ein Stimmungsbarometer, auch wenn er sich bewusst war, dass das strenge Protokoll selten einen unverfälschten Eindruck der Stimmung zuließ. Er hatte begonnen, seine Herrschaft aus der plebiszitären Verankerung zu lösen, aber die Berichte über seinen Rheinland-Besuch 1811 zeigen, dass es ihm noch nicht gelungen war, eine (emotionale) Loyalität zu seiner Dynastie in der dortigen Bevölkerung herzustellen. Die Zustimmung zu seiner Herrschaft hing vom eigenen Vorteilsempfinden ab, ein “modernes Problem”, dem Napoleon sich wie kein anderer Herrscher seiner Zeit stellen musste. Die verschlechterte Wirtschaftslage hatte die Begeisterung für den Erneuerer in Skepsis gewandelt. Das jedoch war für die Rheinländer kein tief gehendes ideologisches Zerwürfnis. Die Unterstützung für Napoleon als Herrscher bemaß sich nach wie vor an pragmatischen Aspekten, wie die Anmerkung eines Bürgers zeigt, der in die Abstimmungsrolle über das dynastische Kaisertum Napoleons 1804 geschrieben hatte: “Wann Bonaparte mir mein weggenohmenes eigenthum wiedergibt, so macht ich leyden, daß er Kayser wird. Henr. Gappertz.” 15 Erst nach der Katastrophe des Russlandfeldzuges 1812 nahm die Verweigerungshaltung der Rheinländer gegenüber der Herrschaft Napoleons zu. |
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Anmerkungen |
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1 Das Stapelrecht besagte, dass alle Kaufleute, die Köln passierten, ihre Waren dort sechs Wochen lang zum Verkauf anbieten mussten. 2 Aus den Anweisungen des Präfekten Ladoucette an die Mairien; zitiert nach: Veit Veltzke: Napoleons Reisen zum Rhein und sein Besuch in Wesel 1811, in: Veltzke, Veit: Napoleon. Tricolore und Kaiseradler an Rheinund Weser, Köln 2007 (Ausstellungskatalog) 3 zitiert nach: Cardauns, Hermann (Hrsg.): Aus dem alten Köln. Vor 60 und vor 120 Jahren, Köln 1920. 4 vgl.: Müller, Klaus: Köln von der französischen zur preußischen Herrschaft 1794-1815, Geschichte der Stadt Köln Bd. 8, Köln 2005 5 Klein, Adolf/ Bockemühl, Justus (Hrsg.): 1770-1815 Weltgeschichte am Rhein erlebt. Erinnerungen des Rheinländers Christoph Wilhelm Heinrich Sethe aus der Zeit des europäischen Umbruchs. Köln 1973. 6 Der Bischofssitz war nach Aachen verlegt worden, die Kölner Universität war zu Zeiten der Republik aufgelöst worden. 7 Äußerung Napoleons zitiert nach: Hashagen, Justus: Das Rheinland und die französische Herrschaft. Beiträge zur Charakteristik ihres Gegensatzes (Habilitationsschrift), Bonn 1908 8 zum Vergleich: ein Tagelöhner verdiente 1811 durchschnittlich 1,33 Franc pro Tag; das Jahresgehalt eines Priesters betrug 500 Franc. 9 Sulpiz Boisserée: Tagebücher 1808-1823, Darmstadt 1978 10 “Schwere Doppel-Pontons, durch Ketten verbunden, bildeten eine breite mit Planken belegte Straße, deren Zugänge, je nach dem Wasserstand, bergauf oder bergab führten.” Zitiert nach: Cardauns, Köln. 11 Das Haus Zuydwyck in der Gereonsstr. trug im Volksmund noch lange die Bezeichnung “auf/bei Marie-Louise”, was vor allem auf den Kurzbesuch der Kaiserin im August 1813 zurück ging, wo sie erneut in dem Palais wohnte. Das Haus existiert heute nicht mehr. 12 Klein, Adolf: Köln im 19. Jahrhundert, 1992. Leider gibt es hierzu keine nähere Quellenangabe. 13 Im Aushub für den Freihafen befindet sich heute die Parkanlage am Theodor-Heuss-Ring 14 Heinrich Heine: Ideen. Das Buch Le Grand, in: Heinrich Heine Werke Bd. 2, hrsg. v. Wolfgang Preisendanz, Frankfurt/ Main 1968. 15 zitiert nach: Historisches Archiv der Stadt Köln (Hrsg.): Die Französischen Jahre. Ausstellung aus Anlass des Einmarsches der Revolutionstruppen in Köln am 6. Oktober 1794, Köln 1994.
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