Napoleonische Zeit

“Mein Leben ist ein Roman!”                           Napoleon I.

 

In der Epoche der Aufklärung entstand das Bewusstsein, dass sich die Welt nicht nur beschreiben lässt, sondern auch schreibend verändert, ja sogar erschaffen werden kann. Der Roman trat seinen Siegeszug an mit “Bestsellern” wie “Die Leiden des jungen Werther” von J.W. Goethe. Napoleon Bonaparte hat den Roman mehrmals gelesen. Als er Goethe 1808 in Erfurt begegnete, fragte er ihn, warum Werther auf Druck des adeligen Umfeldes die Gastfreundschaft seines aristrokratischen Freundes ausschlagen muss. Goethe berichtete Eckermann später, er habe dem Kaiser gestehen müssen, diese Szene sei um des Effektes auf den Leser willen eingefügt.

Napoleon war sich der Wirkung dramaturgischer Effekte allzu bewusst: Seine Herrschaft, seine Kriegsführung, sein persönliches Auftreten waren davon geprägt. Geschichte kann durch Geschichten inszeniert werden. Er selbst wollte in jüngeren Jahre eine Geschichte Korsikas schreiben, nachdem aber seine politischen Ambitionen auf der Heimatinsel gescheitert waren, befand er, dass Korsika zu klein für ihn war: Weltgeschichte sollte es sein, die nicht auf Elba enden konnte. “Als Künstler bin ich fast versucht, mich über die Schlacht bei Waterloo zu freuen”, schrieb Stendahl in sein Tagebuch. In der Verbannung auf St. Helena ließ Napoleon schließlich seinen Roman von Las Cases aufzeichnen.

Schon zu seinen Lebzeiten ist viel über Napoleon geschrieben worden: Kleist erklärte ihm den Heiligen Krieg, Heine erklärte, Napoleon sei nicht aus dem Holz, aus dem man Könige macht, sondern aus dem Marmor aus dem Götter gemacht werden. Sir Walter Scott – der “Vater des historischen Romans” - gehörte zu seinen ersten Biographen. Napoleon zählt immer noch zu den historischen Persönlichkeiten, über die am häufigsten publiziert wird.

Doch die Ereignisse und Veränderungen, die mit Napoleon verbunden sind, gehen nicht alleine auf ihn zurück, sondern auf die Generation, die er zu Bewunderung oder Feindschaft inspirierte. Die generation napoléon steht am Anfang des modernen Europa. In ihr erwachte zum ersten Mal das Bewusstsein, die Welt nicht als vorgefunden erdulden zu müssen, sondern sie gestalten zu können. Die Hoffnungen, Irrtümer, Enttäuschungen und Errungenschaften dieser Generation sind daher das Thema meiner Geschichten.

 

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