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“Ein beschränktes, doch sanftmütiges und anpassungsfähiges Volk” (J. Rethel)
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“Cologne, contentement “ (Napoleon I.)
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Die Konsularzeit Napoleon Bonapartes brachte dem Rheinland wieder Frieden und Stabilität. Im Vertrag von Lunéville 1801 kam das Rheinland völkerrechtlich zu Frankreich. Als Departement du Roer konnte man nun seine Anliegen durch eigene Deputierte in Paris vorbringen. Vor allem die neuerliche Stärkung des katholischen Glaubens in seiner säkularisierten Fassung kam der rheinischen Glaubenshaltung entgegen. Die von Napoleon veranlasste Rückgabe des Drei-König-Schreins wurde vor allem in Köln freudig aufgenommen. Man bereitete daher dem künftigen Kaiser im September 1804 einen begeisterten Empfang. Durch ein Ersuchen bei Napoleon wurde Köln zu einer Bonne ville de l´Empire erhoben mit dem Anrecht auf eigene Zollstationen und einen Freihafen.
Der Empfang des französischen Kaisers im Jahre 1811 fiel deutlich kühler aus. Die unterbesetzte Ehrengarde veranlasste Napoleon zu der Bemerkung: Die Kölner sollten einmal nach Düsseldorf gehen, um zu sehen wie man einen Kaiser empfing. Die Belastung durch Truppenaushebungen und den Wirtschaftskrieg gegen England schürten die Unzufriedenheit mit Napoleons Regierung - eine “deutsche Erhebung” fand im Rheinland jedoch keine Anhänger.
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“Es ist besser von Franzosen regiert zu werden, als von der falschen Art von Deutschen” (Theresa von Wittgenstein)
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In der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 kämpften die Rheinländer auf Seiten der Franzosen. Für die Preußen, die in Frankreich nicht nur einen militärischen Feind sahen sondern vor allem einen Widersacher um die kulturelle Vorherschaft in Deutschland, galt es daher, den französischen Einfluss auf das Rheinland zu brechen. Die Hoffnung der Rheinländer auf eine Befreiung im Sinne einer neuerlichen Eigenständigkeit erfüllte sich nicht, als die Gegner Napoleons 1814 einmarschierten. Statt dessen sah man sich mit dem repressiven Preußischen Allgemeinen Landrecht konfrontiert. Die Nachricht, dass Napoleon von Elba zurückgekehrt sei, feierte man daher in Köln mit Freudenbekundungen. Die Preußen antworteten mit einer Zwangsverpflichtung aller rheinischen Veteranen der Grande Armée in ihren Reihen – mit dem Effekt, dass viele bei erster Gelegenheit desertierten.
Nach Napoleons entgültiger Verbannung gab der Wiener Kongress das Rheinland als Provinz an das protestantische Preußen. Das Schlagwort von der “Legitimität” spielte dabei keine Rolle: Es war der Wunsch Englands, an Frankreichs Grenze einen zuverlässigen Wachsoldaten zu haben.
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“Es ist unsere Aufgabe, die rheinischen Länder von allem, was sie undeutsch gemacht hat [...] zu reinigen.” Freiherr vom Stein
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Als “undeutsch” galt den preußischen Beamten vor allem der Code Civil mit seinem Gleichheitsgedanken. Die Rheinländer verteidigten dieses Gesetzbuch “wie eine Verfassung” gegen Berlin. Man verweigerte sich vor allem in den Veteranenverbänden der Lesart von den “Befreiungskriegen” gegen die französischen “Besatzer”und den “Tyrannen” Napoleon. Als Ausdruck des Widerstands gegen die preußische Herrschaft kam es im Rheinland zu einer Napoleon-Begeisterung, die nicht nur bei Heinrich Heine Ausdruck fand.
Erst mit dem Krieg von 1870/71 und dem Aufstieg des preußischen Königs zum deutschen Kaiser wurde auch das Rheinland in eine vereinheitlichte deutsche Geschichte eingepasst.
Aber nicht nur im regionalen Bewusstsein ist die besondere Erfahrung bis heute verwurzelt: Dem im Köln gebräuchlich Ausdruck “schäl Sick” für die rechte Rheinseite, entspricht im französischen Sprachgebrauch die Wendung “outre-Rhin” als augenzwinkernder Hinweis darauf, dass der deutsche Mentalitäts- und Geschichtsraum erst jenseits des Rheins beginnt.
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Literaturtipps:
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Müller, Klaus: Köln von der französischen zur preußischen Herrschaft 1794-1815, Geschichte der Stadt Köln Bd. 8
Rowe, Michael: From Reich to State. The Rhineland in the Revolutionary Age 1780-1830, Cambridge 2003
Graumann, Sabine: Französische Verwaltung am Niederrhein. Das Roerdepartement 1798-1814
Kerstin Theis u. Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Frankreich am Rhein. Die Spuren der “Franzosenzeit” im Westen Deutschlands. Veröffentlichung des Landschaftsverbands Rheinland, Köln 2009.
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Hier folgen künftig weitere Beiträge zu den Themen:
Napoleon am Rhein - Der Besuch vor 200 Jahren (31.10-8.11.1811) und eine peinliche Festrede
Cöln - Cologne - Die Stadt zwischen Republik und Kaiserreich
“Der Kaiser war für uns ein höheres Wesen” - rheinische Soldaten in der Grande Armée
Eau de Cologne oder 4711?- eine berühmte Hausnummer und ein berühmter Irrtum
Ein Schloss ohne Räder - Schloss Augustusburg in französischer Zeit
Der Melatenfriedhof - die “kaiserliche Grablege” in Köln
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