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Tipps und Tricks

Hier gibt es kleine Notizen aus dem Lektorat

 

Ach herrje, das Exposé ...

 

Egal ob 600 Seiten Epos oder kleiner 200 Seiten Roman: Das Exposé ist für viele Autoren eine regelrechte Strafarbeit, dabei geht es eben ohne nicht: Für Bewerbung bei Agenturen, Stipendien oder Verlagen braucht es eine Zusammenfassung, die mehr ist: Sie soll Lust aufs Lesen machen, die Qualitäten des Textes deutlich zeigen.

 

Jeder Autor ist aber an seinem Text nahe dran, das ist etwa so, als würde man mit der Nase dicht an einem Bild stehen -- wie soll man da beschreiben, was zu sehen ist? Hier ein kleiner Tipp, um Abstand zu gewinnen: Kurzkritiken von Filmen in der Programmzeitschrift lesen. Sie sind nach dem immer gleich Muster aufgebaut: Erst eine Zusammenfassung, ein paar Zusatzinfos, die bemerkenswert sind, und eine Aussage darüber, ob sich das Einschalten lohnt. Diesen letzten Punkt kann man als Autor außer Acht lassen, aber insbesondere die Zusammenfassung hilft dabei, sich in der Verknappung zu üben.

 

Kleine Übung: Nach einem Film suchen, den man kennt. Selbst eine Zusammenfassung schreiben, die dem Format der TV Zeitschrift entspricht, mit der abgedruckten Form vergleichen. Wenn man das einige Male durchgespielt hat, geht man so an den eigenen Roman. Wichtig: Als erste Fassung eine möglichst knappe Form wählen, denn es ist immer schwerer, aus einem langen Exposé etwas zu kürzen, als bei einem kurzen etwas zu ergänzen. Am besten beginnt man mit einem 3-Sätze-Pitch: Wer (handelt)? Was (geschieht - wesentlicher Plotpoint)? Warum (ist die Geschichte lesenswert, warum hat man sie erzählt)?

 

Agenten und Lektoren haben wenig Zeit. Es empfiehlt sich daher, das kleine Pitch dem Exposé voran zu setzen.

 

 

Namen sind alles andere als Schall und Rauch

 

In Thomas Manns Novelle „Tristan“ wird an einer Stelle über eine Figur gesagt: „Aber er heißt Müller und ist überhaupt nicht der Rede wert.“ Menschen, die Müller, Meier, Schmidt und Schmitz heißen, werden ihre Nachnamen selten in Heldenrollen finden, es sei denn, es geht um die Helden des Alltags wie in „About Schmidt“. Jeder Autor weiß instinktiv, dass die Namen, die man seinen Figuren gibt, mehr sind als eine bloße Bezeichnung, sie haben eine Bedeutung.

Der sprechende Name ist das deutlichste Beispiel für eine Aussage, die in einem Namen steckt. Mit dem „telling name“ wird gerne in Kinderbüchern gearbeitet oder in der Satire: Flora Blumig mag es da gerne grün, und Herr Grummel hat immer schlechte Laune.

 

Namen, die eindeutig einem bestimmten Kulturkreis zuzuordnen sind, lenken ebenfalls die  Vorstellung der Leser über die Figuren: So stellen wir uns eine Fatima eher dunkelhaarig vor und einen Rasmus blond, und Herr Ishimaru ist natürlich Japaner und Alois kommt vermutlich aus Bayern.

Subtiler ist der Einsatz von Namen, die eine kulturelle Bedeutung haben: „Siegfried“ etwa lässt die meisten Mitteleuropäer an den blonden Recken  aus der Nibelungen Sage denken. „Elisabeth“ ist für uns der Name von Kaiserinnen und Königinnen. Mit der Wahl dieser Namen trifft man auf subtextlicher Ebene bereits eine Charakterisierung.

 

Während es sich bei diesen beiden Beispielen leicht erklären lässt, woher unsere Erwartungen stammen (aus der Geschichte), ist es bei anderen Namen ein sozialer Erfahrungswert, der die Figur skizziert. Zum Beispiel Frau Meier-Saalheimer (kurze Pause an dieser Stelle, um einer inneres Bild entstehen zu lassen …) Sie ist vermutlich älter als 40 Jahre, trägt kunsthandwerklichen Schmuck und könnte von Beruf Lehrerin sein oder Kuratorin.

Warum?

Frau Krause dagegen hält an der Tradition des Sonntagsbratens fest und weiß immer, was in der Nachbarschaft vor sich geht.

Solche Konotationen unterscheiden sich je nach Region und persönlicher Erfahrung, können aber dennoch auf eine kollektive Erwartungshaltung treffen, derer man sich als Autor bewusst werden sollte; ich hörte beispielsweise einmal: „Ein Florian kann einfach kein brutaler Mensch sein.“

 

Kleiner Tipp für den nächsten Roman: Die Namen der Hauptfiguren im Freundeskreis testen: Was erwartet ihr von einer Figur mit diesem Namen? Die Antworten können recht inspirierend sein.

 

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© Tanja Schurkus