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Was bisher geschah ...

 

Geburt

 – war gar nicht so einfach, ich überlegte es mir auf den letzten Zentimetern nochmal anders und musste per Kaiserschnitt geholt werden. Bei dieser durchaus dramatischen Situation spielte ein Buch eine Rolle, leider ein Stück Trivialliteratur. Es wurde mir berichtet, dass meine Mutter im Krankenhausbett lag und „Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung“ las, als der behandelte Arzt erschien und erklärte: „Aber abends um Sieben ist die Welt nicht mehr in Ordnung“ – denn bei mir hatten die Herztöne ausgesetzt. Die ersten Worte, die ich in dieser Welt zu hören bekam, waren: „Och, ein Äffchen!“ So soll sich meine Mutter unter dem Einfluss von Narkosemitteln bei meinem Anblick geäußert haben.

Kaiserschnittkinder, so hieß eine Zeit lang, seien besonders intelligent. Später sagte man, dass sie öfter an Allergien erkranken, weil sie den Geburtskanal nicht durchlaufen haben. Ich entschied mich aber gegen die Allergien und für die Intelligenz.

 

Ausbildung

Ich war ein stilles, untergewichtiges, schüchternes Kind, das schnell dafür bekannt wurde, es mit Kindern auszuhalten, die sonst keiner leiden mochte. Die Lehrerschaft in der Grundschule interessiert sich nicht weiter für mich. Aus meiner Grundschulzeit sind mir zwei Dinge in Erinnerung geblieben: Dass ich einen Ausflug zu einer „Räuber Hotzenplotz“-Aufführung versäumte, weil ich mir die Abfahrtszeit falsch notiert hatte; und dass meine Klassenlehrerin sich über meine mangelnden sportlichen Fähigkeiten lustig machte, indem meine schmalbrüstigen Versuche vor der Klasse nachahmte.

Ich verließ die Grundschule als verunsichertes Kind, das sich mit dem Kindsein langweilte.

Auf dem Gymnasium wurde alles besser aus drei Gründen: Star Wars, gute Freunde und Dackel. Genauer: Eine Freundin bekam einen Hund, also durfte ich auch einen haben (Dackel) und Hundespaziergänge nutzten wir gerne dazu, Star Wars-Fanfiktion zu entwickeln. Der Moment, in dem Luke Skywalker erfuhr, dass Darth Vader sein Vater ist, veränderte mein Leben. Ich wusste augenblicklich, was ich werden wollte: Jedi-Ritter. Oder das nächst Beste: Schriftsteller.

 

Karriere (nö, war nur ein Scherz …)

Ich hatte also mit 13 Jahren schon eine sehr konkrete Vorstellung von mir, die die Schule nicht bedienen konnte. Weil ich es eilig hatte, lieferte ich Bestnoten ab, um in Ruhe an meiner eigentlichen Ausbildung arbeiten zu können: Ich las „Krieg und Frieden“ und das MAD Magazin, verbrachte (heimlich) Nächte vor dem Fernseher, ich lernte, Geschichten zu analysieren und zu reproduzieren. Ich sprach von Stanley Kubrick, Ernest Hemingway und dem Zukunftsoptimismus der „Star Trek“-Serie und irgendwer schien der Meinung, Buchhändler sei der richtige Beruf für mich. Nachdem ich einige Jahre lang „Salz auf unserer Haut“ und „Beim nächsten Mann wird alles anders“ verkauft hatte, erkannte ich das Missverständnis. Immerhin brachte mich ein Studium der Amerikanistik näher an das, was mich wirklich interessierte. Schließlich händigte mir eine übellaunige Sekretärin mein Abschlusszeugnis aus. Danach saß ich auf einer Parkbank im Hofgarten der Uni Bonn und schwelgte in Plänen. Eine zufällig vorbei kommende Kommilitonin wollte sich das Zeugnis nicht mal anschauen, sie erzählte mir statt dessen von Problemen mit ihrem Vermieter. Das bereite mich auf die kommenden Jahre vor: Menschen mit Mehrfachqualifikationen und Bestnoten sind bei keinem Arbeitgeber erwünscht. Zum Glück.

 

Schriftstellerei

Die Verlängerung eines Studentenjobs zu einem regulären Arbeitsverhältnis bewahrte mich vor Hartz IV. Und nachdem ich vergeblich mehr als ein Jahr meine Qualitäten wie Aale-Dieter auf dem Fischmarkt feilgeboten hatte, besann ich mich auf das Eigentliche: Geschichten erzählen. Ich verabschiedete mich von Urlaubsansprüchen, Feiertagen, Familienleben, Wochenenden und Krankenstand und wurde Sklave meiner Inspiration. Wie jedem Gewaltverhältnis wohnt auch dem ein wiederkehrender Glücksmoment inne, der alles andere erduldbar macht. Geschrieben zu haben – völlig egal was, wann und warum – ist ein Aufputschmittel, man spürt das Endorphin förmlich durch den Körper rauschen. Natürlich gibt es dazu das nötige Korrektiv: Absagen, Ablehnung, Anschweigen. Gut zu laufen scheint es nur bei anderen. Die Ärmsten.

Der Schreibtisch ist meine Bühne, andere Scheinwerfer blenden mich nur.

 

 

 

Auch das noch:

 


  • zitiert gerne “Spongebob” und “Die Simpsons”
  • reist mit einem Stoffdackel als Maskottchen
  • ist Fan von Robert Downey Jr.
  • meidet Autos und Flugzeuge
  • kann jedes Jahr den Herbst kaum erwarten
  • hat eine Urne ihres letzten Dackels auf dem Fensterbrett
  • praktiziert seit 20 Jahren Zen
  • proud member of SPN Familiy (Seriennerd)
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© Tanja Schurkus