Ausgehend von meinem Studium der Literaturwissenschaften und der Soziologie lag es nahe, sich mit den narrativen Repräsentanzen gesellschaftlicher Formungsprozesse zu beschäftigen. In historischer Perspektive ist das 18. Jahrhundert die Epoche, in der die entscheidenden Veränderungen hin zur Moderne erfolgten. Die Erforschung des 18. Jahrhunderts unter dem Begriff „Zeitalter der Aufklärung“ steht daher im Mittelpunkt meiner Arbeit, genauer gesagt: Die nicht-erzählte Aufklärung. Welche Bedeutung hat das Nicht-normative, das Abweichende und Subkulturelle für das Selbstverständnis einer Gesellschaft? Beim wem liegen die Deutungshoheiten? Welche Strategien lassen sich am Beginn des Medienzeitalters in der Definition des Normativen und des Abweichenden erkennen? Und welche Gegendiskurse haben sich entwickelt?
Mit dem Aufbrechen festgefügter gesellschaftlicher Strukturen im 18. Jahrhundert wurde der Lebenslauf zum Entwicklungsraum: Das Andere wurde möglich. Gleichzeitig begann ein Diskurs über die Andersartigkeit als Bedrohung, gegen die juristische, medizinische und normative Vorkehrungen getroffen werden mussten.
Neben der Erforschung einzelner Biografien des 18. Jahrhunderts hinsichtlich nicht-normativer Lebensentwürfe befasse ich mich daher mit den literarischen Sujets des Schauerromans, der Inszenierung des Unheimlichen im Text, sowie der Rezeption des Okkulten im Geheimbundwesen.
Teil 1
Georg Forsters Wahlverwandtschaften. Möglichkeitsräume gleichgeschlechtlicher Beziehungen im 18. Jahrhundert
In: The straight past of a queer present? Nicht heterosexuelles Begehren und Verhalten in der Kulturgeschichte. Hrsg. von Klaus van Eickels und Christine van Eickels. Editionen und Studien zur Geschichte der Sexualitäten, Bd. 4, Bamberg 2025
Teil 2
Scharlatanerie als zentraler Begriff in der Genese der Wissenschaftlichkeit im 18. Jahrhundert
In Arbeit: „Als Kant Gespenster sah. Fallbeispiele zur Rezeption der Scharlatanerie.“
Teil 3
Arkane Alternativen? Das Geheimbundwesen des 18. Jahrhunderts als Gegenentwurf zur bürgerlichen Gesellschaft
In Arbeit: Alexander von Sternberg und der Geheimbundroman